Kategorie: Texte


  • Nietzsche und das Lob der Langeweile

    „Sich Arbeit suchen um des Lohnes willen – darin sind sich in den Ländern der Civilisation jetzt fast alle Menschen gleich; ihnen allen ist Arbeit ein Mittel, und nicht selber das Ziel; weshalb sie in der Wahl der Arbeit wenig fein sind, vorausgesetzt, dass sie einen reichlichen Gewinn abwirft. Nun gibt es seltenere Menschen, jene…

  • Aesop und die Fabel vom Löwen und Bären

    Ein Fuchs war einmal auf Jagd gegangen, einen guten Bissen zu erbeuten. Er war noch nicht lange unterwegs, als er ein lautes Streiten vernahm. Ein Bär schlug mit seinen Tatzen nach einem Löwen und fauchte ihn wütend an: „Ich war der erste beim Hirschkalb. Die Beute gehört mir, ich habe sie gefangen.“ „Nein!“ brüllte der…

  • Gellert und kein gern gesehener Gast

    Ein offner Kopf, ein muntrer Geist,Kurz, einer von den feinen Leuten,Die ihr Beruf zu NeuigkeitenNie denken, ewig reden heißt;Die mit Gewalt es haben wollen,Daß Kluge närrisch werden sollen. Ein solcher Schwätzer trat herein,Dem Dichter den Besuch zu geben. „O!“ rief er, „welch ein traurig Leben!Wie? Schlafen Sie denn nicht bei ihren Büchern ein?So sind Sie…

  • Boethius und der Grund von Furchtlosigkeit

    „Wer, ein fertiger Mann, mit heiterem Sinne Achtet nicht des Geschickes rauer Willkür, Wer ihm immer gefaßt ins Auge blickt, Unerschüttert, ob Glück es bringt, ob Unglück: Den schreckt nimmer das wilde Drohen des Meeres, Das bis tief in den Grund die Fluten aufregt, Nicht der tückische Berg, der dampfend schleudert Aus geborstener Esse Glutgeschosse,…

  • Aesop und die Fabel von des Löwen Anteil

    Löwe, Esel und Fuchs schlossen einen Bund und gingen zusammen auf die Jagd. Als sie nun reichlich Beute gemacht hatten, befahl der Löwe dem Esel, diese unter ihnen zu verteilen. Der machte drei gleiche Teile und forderte den Löwen auf, sich selbst einen davon zu wählen. Da aber wurde der Löwe wild, zerriß den Esel…

  • Gracian und die Kunst, sich zu entziehen zu wissen

    „Wenn eine große Lebensregel die ist, daß man zu verweigern verstehe; so folgt, daß es eine noch wichtigere ist, daß man sich selbst, sowohl den Geschäften als den Personen, zu verweigern wisse. Es gibt fremdartige Beschäftigungen, welche die Motten der kostbaren Zeit sind. Sich mit etwas Ungehörigem beschäftigen, ist schlimmer als Nichtsthun. Für den Umsichtigen…

  • Stirner und die Kraft des Menschen

    „Ihr armen Wesen, die Ihr so glücklich leben könntet, wenn Ihr nach eurem Sinne Sprünge machen dürftet, Ihr sollt nach der Pfeife der Schulmeister und Bärenführer tanzen, um Kunststücke zu machen, zu denen Ihr selbst Euch nimmermehr gebrauchen würdet. Und Ihr schlagt nicht endlich einmal dagegen aus, daß man Euch immer anders nimmt, als Ihr…

  • Simmel und der Wechsel der Verpflichtungen

    „Man kann die Entwicklung jedes menschlichen Schicksals von dem Gesichtspunkte aus darstellen, daß es in einer ununterbrochenen Abwechslung von Bindung und Lösung, von Verpflichtung und Freiheit verläuft. Dieser erste Überschlag indes stellt eine Scheidung dar, deren Schroffheit die nähere Betrachtung mildert. Was wir nämlich als Freiheit empfinden, ist tatsächlich oft nur ein Wechsel der Verpflichtungen;…

  • Friedell und warum die Gegenwart das eigentlich Gestrige ist

    „Wer macht die Realität? Der Wirklichkeitsmensch? Dieser läuft hinter ihr her. Gewiß schafft auch der Genius nicht aus dem Nichts, aber er entdeckt eine neue Wirklichkeit, die vor ihm niemand sah, die also gewissermaßen vor ihm noch nicht da war. Die vorhandene Wirklichkeit, mit der der Realist rechnet, befindet sich immer schon in Agonie. Bismarck…

  • Machiavelli und die Macht der Verstellung

    „Jedermann weiß, wie lobenswürdig es ist, wenn ein Fürst sein Wort hält und rechtschaffen lebt, nicht mit List. Dennoch sieht man aus der Erfahrung unsrer Tage, daß diejenigen Fürsten, welche sich aus Treu und Glauben wenig gemacht haben, und mit List die Gemüter der Menschen zu betören verstanden, große Dinge ausgerichtet, und am Ende diejenigen,…