„Wer, ein fertiger Mann, mit heiterem Sinne
Achtet nicht des Geschickes rauer Willkür,
Wer ihm immer gefaßt ins Auge blickt,
Unerschüttert, ob Glück es bringt, ob Unglück:
Den schreckt nimmer das wilde Drohen des Meeres,
Das bis tief in den Grund die Fluten aufregt,
Nicht der tückische Berg, der dampfend schleudert
Aus geborstener Esse Glutgeschosse,
Nicht die zackige Bahn der hellen Blitze,
Sie, die größte Gefahr der stolzen Türme!
Weshalb fürchten so sehr die armen Menschen
Nichts vermögender Fürsten wildes Wüten?
Fürchte nichts und erhoffe nichts: es steht dann
Vor dir waffen- und machtlos jede Drohung!
Doch wer zittert in Furcht, und wünscht begehrlich
Sich vergängliches Gut, das nicht ihm zukommt:
Der läßt fallen den Schild, dem Feinde weichend,
Schlägt sich selber in schwere Sklavenketten!“
aus: Boethius – Der Trost der Philosophie (erste Hälfte 6. Jahrhundert)

