Liebe ist ein vielschichtiger Begriff. Also wie gemacht für philosophische Reflexion. Ein Wort mit vielen Bedeutungen. Die Verwendung des Wortes Liebe kann eine sexuelle Konnotation haben im Sinne von Eros. Oder im Sinne von Philia, wenn von einer engen Verbundenheit und von einer im gegenseitigen Respekt getragenen Liebe die Rede ist. Agape meint die bedingungslose und selbstlose Liebe wie sie zur zentralen Botschaft des Christentums gehört. Philautia steht für die Selbstliebe, aber nicht im Sinne von eitler Selbstbespiegelung, sondern von gesunder Selbstachtung und Respekt vor der eigenen Person. Weitere Bedeutungen ließen sich nennen.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 bis 1831) ist einer der bis heute einflussreichsten Philosophen. Manche sagen, der letzte große Erbauer eines Gedankensystems, das hilft, die Welt in ihrer Entwicklung zu verstehen. Bei solchen Zuschreibungen ist aber immer Vorsicht geboten.
Hegels Dialektik
Was das Wesen von Liebe ausmacht, ist einer der Ausgangspunkte von Hegels Denken. Seine Überlegungen zum Thema sind es heute noch wert, sich mit ihnen zu beschäftigen. Mit Hegel wird vor allem der Begriff bzw. die Methode der Dialektik verbunden. Hegels Dialektik folgt, vereinfacht gesagt, dem Dreiklang von These – Antithese – Synthese. Eine These wird negiert durch die Antithese und dadurch kommt es schließlich in der Synthese zu einem höheren Verständnis. Dies klingt erst einmal kompliziert. Da ist ein Beispiel immer hilfreich, gerade wenn es mit ein wenig Augenzwinkern gewählt ist.
These:
Person A betritt einen Raum und öffnet das Fenster.
Antithese:
Person B betritt den Raum und schließt das Fenster unter Protest von A.
Synthese:
Person C betritt den Raum, schließt das Fenster und wirft die Scheibe ein.
Schmetterlinge im Bauch
Übertragen auf das Thema Liebe im Sinne von Philia heißt Dialektik nach Hegel:
These:
Ein Mensch liebt sich selbst im Sinne von Selbstachtung und Selbstrespekt.
Antithese:
Trifft dieser Mensch nun auf einen anderen Menschen, für den er Liebe oder Zuneigung empfindet, geht er aus sich heraus, vergisst sich in dieser Liebe und wird damit von sich selbst entlastet. Der Volksmund spricht gern von Schmetterlingen im Bauch, um dieses Gefühl auszudrücken.
Synthese:
Durch die aus der Liebe folgende Selbst-Vergessenheit, kommt der Liebende aber auf einer höheren Ebene zu sich selbst zurück: ein anderer Mensch, der verwandelt zu sich zurückfindet.
Bei Hegel heißt es in den „Vorlesungen über die Ästhetik“:
„Das wahrhafte Wesen der Liebe besteht darin, das Bewußtsein seiner selbst aufzugeben, sich in einem anderen Selbst zu vergessen, doch in diesem Vergehen und Vergessen sich erst selber zu haben und zu besitzen.“

