Ich habe das Fach Philosophie an der Universität studiert. Letztendlich ist Philosophie aber kein akademisches Fach.
Etwas anderes als die heute gängige Universitätsphilosophie zu betreiben ist es, die Philosophie als das anzuerkennen, was sie der Übersetzung nach ist: Liebe zur Weisheit. Sich im besten Sinne des Wortes, Gedanken machen zu wollen.
Man spart außerdem Energie beim Nach-Denken, denn warum soll man sich den Kopf über Fragen zerbrechen oder auf fragwürdige Quellen zugreifen, wenn vor hunderten von Jahren schon auf hohem Niveau über grundlegende Fragen des Lebens nachgedacht worden ist. Hier setzt die Entdeckungsreise an.
Bei diesem Denk-Abenteuer hilft aber kein abgeklärter Professionalismus oder taktisches Streben nach akademischen Pfründen, sondern nur Dilettantismus im Sinne von Egon Friedell:
„Was den Dilettantismus anlangt, so muß man sich klarmachen, daß allen menschlichen Betätigungen nur so lange eine wirkliche Lebenskraft innewohnt, als sie von Dilettanten ausgeübt werden. Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen (…) und darum strömt bei ihm der ganze Mensch in seine Tätigkeit und sättigt sie mit seinem ganzen Wesen, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im übeln Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel.
Der Fachmann steht immer zu sehr in seinem Berufskreise (…) Auch weiß er zu viel Einzelheiten, um die Dinge noch einfach genug sehen zu können, und gerade damit fehlt ihm die erste Bedingung fruchtbaren Denkens.
Die ganze Geschichte der Wissenschaften ist daher ein fortlaufendes Beispiel für den Wert des Dilettantismus. Das Gesetz von der Erhaltung der Energie verdanken wir einem Bierbrauer namens Joule. Fraunhofer war Glasschleifer, Faraday Buchbinder. Goethe entdeckte den Zwischenknochen (…).“
Sandro Tröger, Zwickau
