„Wenn eine große Lebensregel die ist, daß man zu verweigern verstehe; so folgt, daß es eine noch wichtigere ist, daß man sich selbst, sowohl den Geschäften als den Personen, zu verweigern wisse.

Es gibt fremdartige Beschäftigungen, welche die Motten der kostbaren Zeit sind.

Sich mit etwas Ungehörigem beschäftigen, ist schlimmer als Nichtsthun.

Für den Umsichtigen ist es nicht hinreichend, daß er nicht zudringlich sei, sondern er muß auch dafür sorgen, daß Andre sich ihm nicht aufdringen.

So sehr darf man nicht Allen angehören, daß man nicht mehr sich selber angehörte. (…)

Jedes Uebermaß ist fehlerhaft, aber am meisten im Umgang. Mit dieser klugen Mäßigung wird man sich am besten die Gunst und Wertschätzung Aller erhalten, weil alsdann der so kostbare Anstand nicht allmälig bei Seite gesetzt wird.

Man erhalte sich also die Freiheit seiner Sinnesart, liebe innig das Auserlesene jeder Gattung, und thue nie der Aufrichtigkeit seines guten Geschmackes Gewalt an.“

aus: Balthasar Gracian – Orakel der Weltklugheit (1647)

in der Übersetzung von Arthur Schopenhauer